Gegen eine unerbittliche Polarisierung
Jüdische und muslimische Intellektuelle und Künstler wehren sich gegen
die Instrumentalisierung ihrer Traditionen.
Am 11. August dieses Jahres erschien in der Wochenzeitung "Die Zeit"
der Aufruf "Kein Krieg", in dem sich jüdische und muslimische
Intellektuelle gegen die Instrumentalisierung jüdischer und islamischer
Traditionen im gegenwärtigen Großkonflikt im Nahen Osten zur Wehr setzten.
Initiiert wurde der Aufruf von ha'atelier - werkstatt für philosophie und
kunst, unterstützt unter anderem vom Schriftsteller und
Islamwissenschaftler Navid Kermani und medico international. Zur Genese
des Aufrufs schreiben seine Initiatoren, Almut Sh. Bruckstein und Sidney
Corbett.
Die internationale Berliner Institution ha'atelier - werkstatt für
philosophie und kunst widmet sich der Zusammenarbeit jüdischer und
islamischer Künstler und Intellektueller mit dem Ziel, die Verbundenheit und
Verzahnung auch der jüdischen und islamischen Traditionen und Kulturen -
insbesondere im säkularen Raum der Wissenschaften und der darstellenden
Künste - offenzulegen und neu zu schaffen. In diesem Zusammenhang hat es uns
viel bedeutet, dass sich für den Aufruf Intellektuelle und Künstler von
Teheran bis Tel Aviv engagierten.
ha'atelier - werkstatt für philosophie und kunst möchte diesen Aufruf dazu
nutzen, die in ihm zum Ausdruck kommende kulturpolitische Agenda durch
künstlerische und kulturkritische Arbeit zukünftig noch zu vertiefen und
damit stärker als bisher ins öffentliche Bewusstsein zu stellen. Inmitten
einer immer unerbittlicher polarisierten weltpolitischen Rhetorik, die den
sogenannten "Westen" wie auch den "Islam" als homogene Größen aufstellt, um
diese dann auf unversöhnliche und gewaltsame Weise gegeneinander
auszuspielen, scheint es an der Zeit, die durch Konfrontation leer gewordene
Mitte mit einem integrativen, international und kosmopolitisch
ausgerichteten jüdisch-islamischen Projekt im öffentlichen Raum neu zu
bespielen.
In diesem Zusammenhang knüpft die Arbeit von ha'atelier - werkstatt für
philosophie und kunst an ein internationales wissenschaftliches Projekt an,
welches Navid Kermani und Almut Sh. Bruckstein gemeinsam mit der
Koranwissenschaftlerin Angelika Neuwirth und mit Unterstützung des
diesjährigen Trägers des Friedenspreises des deutschen Buchhandels Wolf
Lepenies vom Jahr 2002 bis 2005 am Wissenschaftskolleg zu Berlin initiiert
und geleitet haben. Im Rahmen dieses großangelegten Projekts unter dem Titel
Jüdische und Islamische Hermeneutik als Kulturkritik haben Wissenschaftler
und Intellektuelle aus den USA, Europa sowie den verschiedensten Ländern des
arabischen und islamischen Kulturraums in Berlin, Istanbul, Leiden und
anderen Kontexten zusammengearbeitet, um die Berührungspunkte und Nahtlinien
ihrer eigenen literarischen und kulturellen Traditionen gemeinsam zu
studieren und deren Homogenität in Frage zu stellen. Aus dem fruchtbaren
Arbeitszusammenhang dieses internationalen Projekts hat sich ein Netzwerk
führender Gelehrter herauskristallisiert, die diesen Aufruf gemeinsam mit
Mitgliedern von ha'atelier - werkstatt für philosophie und kunst innerhalb
weniger Tage emphatisch unterschrieben haben.
Als Künstler und Intellektuelle hoffen wir auf die integrative Kraft unserer
literarischen und künstlerischen Arbeiten, dass es uns gelingen möge, die
konfrontativen Grenzlinien zwischen dem "Westen" und dem "Islam" durch eine
öffentliche Neuinszenierung jener kosmopolitischen, enzyklopädischen
künstlerischen und literarischen Traditionen, die unseren jeweiligen
Kulturraum über weite Strecken hin wesentlich geprägt und geformt haben,
sobald als möglich wieder aufzulösen und Gemeinsamkeiten neu zu knüpfen.
Almut Sh. Bruckstein, Kulturwissenschaftlerin, Sidney Corbett,
Komponist,
ha'atelier - werkstatt für philosophie und kunst
Kontakt: a.bruckstein@ha-atelier.com |
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Appell |
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Der Appell »Kein Krieg«, der von renommierten Intellektuellen mit
jüdischem und muslimischem Hintergrund verfasst und von medico
unterstützt wurde, ist ein Dokument des Dialogs und der Überwindung von
Gegensätzen wider den Versuch, religiöse Traditionen für den Krieg zu
instrumentalisieren ...
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