Die Tsunami-Projekte auf Sri Lanka
Nothilfe, Wiederansiedlung, Menschenrechte
Unsere im Norden und Osten Sri Lankas tätigen Partner der Social,
Economical and Environtmental Developers (SEED) bzw. der Social Welfare,
Economical and Environmental Developers (SWEED) sind hauptsächlich in der
Hilfe für Vertriebene und Flüchtlinge des Bürgerkriegs zwischen den
Streitkräften des singalesisch-buddhistisch dominierten Staates und der
Guerilla der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) engagiert. Seit zehn
Jahren bereits unterstützen unsere KollegInnen Menschen zumeist tamilischen
Hintergrunds, die zum Teil sogar mehrfach vertrieben wurden und schon seit
Jahren in völlig unzureichend ausgestatteten und betreuten Lagern leben
müssen. Die Arbeit von SEED und SWEED besteht darin, diesen Menschen in
ländlichen Wiederansiedlungsprojekten wieder die Chance auf ein
selbsttätiges und selbstbestimmtes Leben (Wohnungsbau, Landwirtschaft,
Arbeits- und Ausbildungsplätze) zu eröffnen und damit zugleich die
Perspektive auf einen gerechten Frieden in Freiheit zu stärken. Neben den
Siedlungsprojekten selbst fördern unsere KollegInnen den Aufbau von
örtlichen Krankenstationen und den Betrieb einer großen Gehörlosenschule in
der Stadt Vavuniya. Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt in der
Schaffung und dem Ausbau von partnerschaftlichen Strukturen zwischen
singhalesischen und tamilischen NGOs. Wiederansiedlung von
Flüchtlingsfamilien und Tsunami-Opfern in Manmunai und Ollikulam:
Gemeindebildung in einer Kriegsregion - SWEED
Nach dem Tsunami initiierten beide Organisationen mit der Unterstützung
medicos Wiederansiedlungsprojekte auch für Überlebende des Tsunami. Dabei
entschied sich SWEED bewusst für die Unterstützung der Wiederansiedlung
einer ebenfalls bereits mehrfach vertriebenen moslemischen Gemeinde in den
Dörfern Manmunai und Ollikulam. Menschen diesen Glaubens bilden auf Sri
Lanka eine weitere Minderheit, die nicht nur der Unterdrückung des
singhalesischen Staates, sondern immer wieder auch der Verfolgung durch die
Guerilla ausgesetzt ist.
Mit der Rückkehr des Krieges und unter den Bedingungen einer drohenden
Diktatur ist diese Arbeit noch einmal schwerer geworden. Weil viele Menschen
aus Angst vor Übergriffen der Armee wie der Guerilla wieder zu Verwandten in
die Stadt geflohen sind, hat SWEED die zurückgebliebenen Familien in
Ollikulam zusammengeführt, wo sie durch ein einkommenschaffendes Programm
unterstützt werden, zu dem auch der Betrieb einer kleinen Weberei gehört.
Beteiligung am Wiederaufbau des Dorfes Navalady – SWEED
Das Dorf Navalady liegt auf einer nahezu gänzlich vom Wasser umgebenen
Landzunge an der Ostküste Sri Lankas und wurde durch die Tsunami-Wellen
vollkommen zerstört. Im Rahmen der höchst umstrittenen "Pufferzonen"-Regelung,
mit der die Regierung an der gesamten Küste den Wiederaufbau der
Fischerdörfer zu verbieten suchte, wurden auch die Leute von Navalady
zwangsweise umgesiedelt. Weil das neue Siedlungsgebiet aber fernab von jeder
Infrastruktur lag und den Leuten keinerlei Möglichkeit des selbsttätigen
Lebensunterhalts bot, zogen die Leute nach und nach an die Küste zurück.
Nachdem die Regierung die Pufferzonenregelung abmilderte, durfte bis auf
einen 30 Meter breiten Küstenstreifen auch in Navalady wieder gesiedelt
werden. Verschiedene Hilfsorganisationen unterstützen den Wiederaufbau des
Dorfes, den Bau von stabilen Häusern, sanitären Anlagen, Brunnen etc.
Dabei entwarfen die KollegInnen von SWEED zusammen mit den 98 Familien den
Wiederaufbauplan und koordinierten die Planungstreffen der am Wiederaufbau
beteiligten Organisationen.
medico finanzierte den Bau eines Mehrzweck-Zentrums, in dem heute ganz
verschiedene Aktivitäten stattfinden: Vorschulunterricht, Sozial- und
Gesundheitsberatung, Kurse und Workshops zu einkommensschaffenden Maßnahmen
u.a. Darüber hinaus soll das Zentrum als Schutz- und Zufluchtort bei
Zyklonen und anderen Naturkatastrophen dienen.
Außerdem unterstützte medico den Bau eines Ruheraums für Fischer, das
zugleich als Treffpunkt für die Fischerei-Gewerkschaft, als Lager und
Werkstatt für Werkzeuge und Motoren sowie als Verkaufsstelle für die
Fischfänge dient. Das Gebäude wurde mit einer Wasserpumpe sowie Toiletten
ausgestattet und wird mittlerweile von elf Fischergruppen in und um Navalady
zur Koordination der Arbeit und zur Vermarktung ihrer Fänge genutzt. Von
der Nothilfe zum "People's Tribunal" - IMADR
In der Verbindung von lokaler Projekthilfe mit politischer
Menschenrechtsarbeit berührt sich die Arbeit von SEED und SWEED mit der
eines weiteren medico-Partners, des in Colombo tätigen Asia Committees des
International Movement against all Forms of Discrimination and Rassism (IMADR).
(www.imadr.org) Die in
Japan gegründete NGO engagiert sich seit langem schon international an der
Seite unterdrückter Minderheiten. Die das Colombo-Büro leitende Anwältin
Nimalka Fernando ist eine der führenden Menschenrechtsaktivistinnen
Südasiens. Nach dem Tsunami organisierte sie mit der Hilfe medicos Nothilfe
für ältere Frauen und Kinder, an die internationale Hilfsorganisationen
westliche Kleidung ausgeteilt hatten. Die Leute hatten die in ihren
Lebenszusammenhängen ungewohnte Kleidung nicht akzeptiert,
IMADR-Mitarbeiterinnen versorgten die Frauen mit traditionellen Saris und
Unterwäsche und verteilten Schuluniformen und -taschen an die Kinder.
Zugleich organisierte IMADR ein Monitoring der Nothilfeaktionen der
Regierung und unterstützte in allen Teilen des Tsunami-Betroffene, die in
Aussicht gestellte Hilfe auch wirklich zu erhalten. Dabei wurden zahlreiche
diskriminierende und ungerechte Vergabepraktiken beobachtet und auf Listen
dokumentiert, die dann bei der UN-Menschenrechtskommission eingereicht
wurden, um auf Rassendiskriminierung und Ungleichbehandlung in der
Tsunami-Nothilfeaktion aufmerksam zu machen und advocacy auf internationaler
Ebene zu animieren. Schließlich organisierte IMADR ein sog. "People's
Tribunal", in dessen Verlauf Tsunami-Überlebende ihre Klagen auf
öffentlichen Hearings vortragen konnten, auf denen auch Vertreter der
Regierung und der politischen Parteien anwesend waren. Das Ziel des
"People's Tribunals" bestand allerdings nicht nur in Nachbesserungen bei der
Vorsorgung der Überlebenden, sondern auch in der Beteiligung der Betroffenen
an der Ausarbeitung eines nationalen Katastrophenplans, der bei künftigen
Disaster-Ereignissen effektiver auf die Bedürfnisse der Betroffenen
eingestellt sein wird. Friedensbildende Programme - Centre for Performing
Arts
Um die Beteiligung und Ermächtigung der Ausgeschlossenen geht es auch dem
Centre for Performing Arts mit Sitz in Colombo. Das CPA organisiert
friedensbildende Maßnahmen für und mit Frauen, Kindern und Jugendlichen und
folgt darin einem ausdrücklich multiethnischen und multireligiösen Ansatz.
Mit der Unterstützung medicos führte das CPA Leute singhalesischer und
tamilischer bzw. buddhistischer, hinduistischer, moslemischer und
christlicher Herkunft in verschiedenen Tanz und Theater-Workshops, "Peace
camps" und Veranstaltungen zum internationalen Frauentag zusammen. |