Flutkatastrophe in Chiapas: Spenden übergeben
22.11.07. medico international Schweiz hat nach der Flutkatastrophe in
Südmexiko von Anfang November rasch die ersten Spenden für die betroffene
Bevölkerung im Norden von Chiapas übergeben. Dank den SpenderInnen und dem
medico-Nothilfefonds konnten bereits CHF 5000.- an die Partnerorganisation
SADEC (Salud y Desarrollo Comunitario) überwiesen werden. SADEC finanziert
damit die Kosten, die durch ihre spontanen Hilfeleistungen in den ersten
Tagen in Tabasco entstanden sind, sowie die weitere medizinische
Unterstützung im Norden von Chiapas. Sie werden dort die medizinische
Nothilfe noch bis Ende November fortführen.
Zudem übergab medico international der zapatistischen "Junta de Buen
Gobierno", dem "Rat der Guten Regierung" in Roberto Barrrios, eine Spende in
der Höhe von 15'000 mex. Pesos (CHF 1700.-). Dieses Zeichen der Solidarität
an die vom Unwetter betroffenen zapatistischen Gemeinden dankte der autonome
indigene Rat mit dem abgebildeten Brief.
medico schließt damit diesen Spendenaufruf ab und dankt allen
SpenderInnen herzlich für Ihre Unterstützung. Unsere Schweizer
Schwesterorganisation wird in Chiapas mit kontinuierlichen
Gesundheitsprojekten weiterhin präsent sein und diese Arbeit ab 2008
verstärken.
Zu den politischen Hintergründen der Flutkatastrophe siehe das folgende
Interview auf www.chiapas.ch:
Politik mitverantwortlich für Flut in Mexiko
Mexico: medico-Partner leistet medizinische
Nothilfe in Chiapas und Tabasco
Ursache der Katastrophe sind Korruption und Umweltzerstörung

Foto: César Felipe Gutiérrez Meza
Palenque
im Norden von Chiapas liegt zwei Autostunden von Villahermosa, der
Hauptstadt des Bundesstaates Tabasco entfernt. In Palenque ist unsere
Partnerorganisation SADEC (Salud y Desarrollo Comunitario) beheimatet, die
in indigenen Gemeinden zum Thema Basisgesundheit arbeitet. Dr. Joel Heredia
von SADEC und ein kleines Team von ÄrztInnen, die aus der Hauptstadt von den
Partneruniversitäten von SADEC als Freiwillige ihren Dienst taten, sind in
den letzten Tagen in Tabasco gewesen und haben dort in einer der Herbergen
1.800 Leute betreut.
Nach Einschätzung von Joel Heredia ist die Lage in Tabasco zwar sehr
dramatisch, aber durch die großangelegte Hilfeleistung (Privatspenden,
Regierungsstellen und internationale Hilfe) kann die größte Not gelindert
werden.
Allerdings wird es noch Monate dauern, bis das Wasser abgelaufen und Schäden
an Häusern und Infrastruktur behoben sein werden.
Weniger bekannt war, dass auch Chiapas, insbesondere der Norden, also die
Region um Palenque, stark von den Unwettern betroffen ist. Erst als das
abgelegene Dorf San Juan Grijalva von einem Erdrutsch praktisch ausradiert
wurde, richtete sich die Aufmerksamkeit auf die rund 100.000 Menschen in
Chiapas, die von den schlimmsten Überschwemmungen seit einem halben
Jahrhundert betroffen sind.
Auch einige andere Gemeinden sind durch das Abrutschen instabiler Hänge
bedroht, die Bevölkerung weigert sich aber häufig, ihr Hab und Gut
zurückzulassen und einen sicheren Ort aufzusuchen.
Diese kleinen Gemeinden in Nord-Chiapas, in denen auch zapatistische
Familien wohnen, erhalten von den Regierungsinstitutionen, wie dem
Gesundheitsministerium und der internationalen Öffentlichkeit, kaum
Aufmerksamkeit und Unterstützung. Das kleine Team von SADEC wird sich
deshalb in den nächsten Tagen und Wochen auf medizinische Hilfe in dieser
Zone konzentrieren. Zwei Vertreterinnen von medico international schweiz
sind für die Salud-mental-Kampagne ebenfalls gerade vor Ort und klären die
weiteren Schritte mit dem Caracol der Zapatistas und mit SADEC ab.
Hintergrund Tabasco: Die Regierungsgelder versickern, das Wasser steigt
Gründe für die Flutkatastrophe gibt es viele, klimatische aber
insbesondere auch politische. Tabasco wurde in den letzten Jahren von den
Gouverneuren Roberto Madrazo und Manuel Andrade Díaz (2000-2006) regiert,
beide PRI. Madrazo war Präsidentschaftskandidat der PRI in 2006 und wird zum
Flügel der alten "PRInosaurier" gerechnet, die Mexiko während Jahrzehnten
regierten. Die Unkultur der Korruption und der rücksichtslosen Ausbeutung
von Mensch und Natur feiert hier Urständ. Gigantische Mangrovenwälder
entlang der Flüsse wurden abgeholzt, um rentable Immobilien bauen zu können.
Millionen und Milliarden flossen von der Zentralregierung nach Tabasco –
allein 4 Milliarden Sfr. seit Jahresbeginn, verwaltet vom aktuellen
Gouverneur, Andrés Granier Melo, ebenfalls PRI. Gelder zur Stützung des
erdölreichen aber verarmten Bundesstaates, Gelder nicht zuletzt für den
Hochwasserschutz. Doch sie versickerten in simulierten
Entwicklungsaktivitäten, das heisst in den Kanälen der Korruption. Die
mexikanische Presse spricht nun von der Tragödie der Korruption. Und die
Ex-Gouverneure vermeiden es tunlichst, sich in Tabasco zu zeigen Spenden
für die Nothilfe in Chiapas bitte an:
medico international, Frankfurter Sparkasse, Kontonummer 1800, BLZ 500 502
01, Stichwort "Mexiko"
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