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Israel und Palästina
Unter der Leitung der
Psychiaterin Ruchama Marton machten sich ein Dutzend israelische ÄrztInnen
kurz nach Beginn der Intifada auf den Weg nach Gaza, um sich ein eigenes
Bild von den Folgen der Auseinandersetzungen zu machen – sie sahen junge
Menschen mit mehrfachen Knochenbrüchen, etliche davon entstanden bei den
Versuchen, sich vor Schlägen zu schützen, Verletzungen, die gezielt schwere
Schäden zur Folge haben sollten und einen miserablen Zustand der staatlichen
Krankenhäuser, die die Versorgung der Bevölkerung unter der Besatzung
sicherstellen sollten. Dies war die Initialzündung zur Gründung der
Physicians for Human Rights in Israel. Child Medical Care Fund - Kostenübernahme im KrankheitsfallMangelnde und ungenügende Gesundheitsversorgung für die BewohnerInnen der besetzten Gebiete wurden nicht nur mit Petitionen beim Obersten Gerichtshof in Israel thematisiert, sondern auch mit Mobilen Kliniken, die gemeinsam mit Partnern wie der Palestinian Medical Relief Society (PMRS) in der Westbank organisiert werden, direkt angegangen. Oft ergeben sich aus diesen Tagesreisen mit bis zu 10 jüdischen und arabischen israelischen ÄrztInnen zu abgelegenen Dörfern weitergehende Aufgaben wie die Organisation spezialisierter medizinischer Hilfe in israelischen Krankenhäusern für komplizierte Fälle. Zugleich finanziert der von den PHR eingerichtete Child Medical Care Fund seit 1992 Behandlungen, die das nach den Oslo-Verträgen unabhängige, aber chronisch unterfinanzierte palästinensische Gesundheitssystem nicht sicherstellen kann. Besonders im Zuge der sog. "Zweiten Intifada" der aktuellen Intifada hat dieser Arbeitsschwerpunkt enorm an Bedeutung gewonnen, weil die Ausgangssperren und Straßenblockaden der israelischen Armee die medizinische Versorgung der ländlichen Gebiete häufig nahezu unmöglich macht. Denn trotz erfolgter Lockerungen seit dem Frühjahr 2005 sind Orte wie Jenin oder Nablus noch massiv von diesen Blockaden betroffen. Wissenstransfer und Ausbildung - Israelisch-palästinensische SeminareAuch nach dem Abzug der israelischen Armee aus dem Gazastreifen sind die gemeinsamen Projekte von PMRS und PHR-I im Gazastreifen und der Westbank bedeutsam. Geplant ist eine zukünftige Versorgung von chronischen Kranken (z.B. Diabetes, Brustkrebs), die einen Wissenstransfer in gemeinsamen Seminaren für Ärzte und Gesundheitsarbeiterinnen ebenso ermöglichen wie längerfristige Kooperationen über die sich immer weiter verstärkenden Grenzen beider Gesellschaften hinweg. Gleiche Rechte für die arabischen BürgerInnen in IsraelEbenso wichtig wie der Kampf für eine sichere und menschenwürdige Gesundheitsversorgung der PalästinenserInnen in Westbank und Gaza-Streifen ist die Kampagne zur Sicherung eines gleichen und gerechten Zugangs der arabischen BürgerInnen von Israel – fast 20% der gesamten Bevölkerung Israels - die immer noch "BürgerInnen zweiter Klasse" sind und ihre Städte, Stadtteile und Dörfer weniger gut versorgt sind wie die ihrer jüdischen Nachbarn. Beduinen in der Negev-Wüste - Die unregistrierten DörferIn einer besonders benachteiligten Situation befinden sich die arabischen Beduinen, die in der Negev-Wüste leben. Ihre traditionelle Lebensweise und etablierten Dörfer werden von der israelischen Regierung und Verwaltung fast immer missachtet, Umsiedlungen in eilig errichtete Neubausiedlungen vor allem dann verfügt, wenn ihr Land für Militärzwecke, Naturschutzgebiete oder Industrieansiedlung gebraucht wird. Die PHR-Israel arbeiten gemeinsam mit ihnen für einen respektvollen Umgang mit Ihren Traditionen, für eine an ihre Lebensweise angepasste Gesundheitsversorgung und gegen ihre Diskriminierung und Ausgrenzung aus der israelischen Gesellschaft. Open Migrant Worker Clinic - Gesundheitsversorgung für ArbeitsmigrantenEine weitere Gruppe von Menschen in Israel mit ungesichertem Zugang zu einer guten und menschenwürdigen Gesundheitsversorgung sind die ca. 250.000 ArbeitsmigrantInnen und ihre Kinder, die kaum dauerhafte gesicherte Aufenthaltsrechte bekommen und damit von der regulären medizinischen Versorgung nur unzureichend erreicht werden. Hier ist auch die Open Migrant Worker Clinic der PHR in Tel Aviv eine wichtige Einrichtung, die nicht nur vielen Tausend Patienten jährlich unmittelbare Hilfe leistet, sondern auch die Probleme dieses "unsichtbaren" Teils der israelischen Gesellschaft thematisiert und auf Abhilfe dringt. Das Recht auf Gesundheit in israelischen GefängnissenVon großer Bedeutung ist auch die Arbeit für gute medizinische Versorgung von Inhaftierten in israelischen Gefängnissen, besonders die unter Administrativrecht verhafteten PalästinenserInnen in Gefangenenlagern. Hierzu zählt auch die wachsame Beobachtung, Öffentlichmachung und Verhinderung von Folter im Zusammenhang mit Verhören während der Haft und der Rolle der Gefängnis-Mediziner bei diesen Maßnahmen. Die Verurteilung von Folter durch den Obersten Gerichtshof in Israel 1999 war dabei ein wichtiger Erfolg, wird aber in der Praxis immer noch vielfach missachtet. Medico international unterstützt die Arbeit der PHR-Israel: Mittel für die juristischen Auseinandersetzungen, Kosten für die wöchentlichen Fahrten der mobile clinics in die Westbank, die laufenden Kosten der Open Migrant Worker Clinic; weil alle BewohnerInnen des Landes ein Recht auf Gesundheit haben – ungeachtet ihrer ethnischen Herkunft oder ihres Aufenthaltstatus.
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