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Bangladesh


Die Pillendreher von Dhaka

Alternative Wege der Medikamentenversorgung.
Die Gesundheitsorganisation Gonoshasthaya Kendra
 

Gonoshasthaya Kendra (GK) wurde 1971 kurz nach der Unabhängigkeit Bangladeshs von jungen Ärzten gegründet. Gesundheit für alle – das ist der Ausgangspunkt der über 35-jährigen Tätigkeit von Gonoshasthaya Kendra. Die Gesundheitsprogramme erreichen über eine Million arme Menschen insbesondere im ländlichen Raum Bangladeshs. Ausgehend von 2 Krankenhäusern und 25 übers ganze Land verteilten Gesundheitszentren begeben sich kleine Teams von bei GK ausgebildeten "Paramedizinerinnen" auf die Dörfer und in die Armenviertel.

Als Gonoshasthaya Kendra seine Gesundheitsprogramme im Sinne von Armutsbekämpfung begann, stellten die Kollegen sehr schnell fest, dass die Medikamentenpreise ein entscheidender Kostenfaktor waren. Damals kostete eine Tagesbehandlung gegen Tuberkulose, bis heute eine Massenkrankheit in Bangladesh, die Einkünfte von 2 Tagen. Medikamente gegen Durchfallerkrankungen waren erst gar nicht zu bekommen. Es war ein harter, fünfjähriger Kampf von Gonoshasthaya Kendra, um die Medikamentenproduktion aufzubauen. Es gab großen politischen Druck der Pharmakonzerne, die die lokale Medikamentenproduktion verhindern wollten. Und es gab gewalttätige Angriffe gegen Einrichtungen und Personal von GK. Heute produziert die Fabrik von GK 120 verschiedene lebenswichtige Medikamente. Darüber hinaus stellt ein weiteres GK-Unternehmen erfolgreich die wichtigsten Wirksubstanzen für Antibiotika her. Dabei handelt es sich um ein hochkomplexes chemisches Verfahren. Gonoshasthaya Kendra hat wesentlichen Anteil daran, dass es in Bangladesh eine ausgewiesene Medikamentenpolitik gibt, die die lokale Produktion von essentiellen Medikamenten fördert und die Produktion und Einfuhr überteuerter und nutzloser Medikamente verbietet.

medico international und Gonoshasthaya Kendra verbindet eine lange gemeinsame Geschichte in der globalen Gesundheitsbewegung, die sich für gleichen Zugang aller Menschen zu Gesundheit einsetzt. medico international unterstützte die bengalischen Ärzte von Gonoshasthaya Kendra bereits in ihren Anfängen, als sie während des Unabhängigkeitskrieges ein großes Krankenhaus in den Flüchtlingslagern unterhielten. Beide Organisationen arbeiten seit vielen Jahren in der globalen Verbraucherschutzorganisation "Health Action International" zusammen. Das globale Netzwerk setzt sich für einen rationalen Arzneimittelgebrauch ein und klärt in großen Verbraucherschutzkampagnen über nutzlose, teils gefährliche Arzneimittel auf, die gerade in den Ländern des Südens mit massiven Werbekampagnen immer wieder auf dem Markt etabliert werden. Seit dem Jahr 2000 arbeiten beide Organisationen gemeinsam im People's Health Movement zusammen. Diese Allianz hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit weltweiten Aktionen und Lobbyaktivitäten das Recht aller auf den bestmöglichen Zugang zu Gesundheit durchzusetzen. Das People's Health Movement wurde in Bangladesh bei Gonoshasthaya Kendra gegründet.

Angesichts der Tatsache, dass Medikamente für viele Armutskrankheiten nicht produziert werden oder zu teuer für diejenigen sind, die sie benötigen, wollen medico international und Gonoshasthaya Kendra den Sprung in die Globalisierung wagen. Als eines der ärmsten Länder der Welt ist Bangladesh von den Patentgesetzen der WTO bis zum Jahre 2016 befreit. Solang bleibt Zeit, teure, patentgeschützte Medikamente als Generika frei herzustellen und in andere arme Länder zu exportieren. Diese Chance wollen Gonoshasthaya Kendra und medico international nutzen, um Wirksubstanzen und Medikamente für Krankheiten der Armut auch für andere Regionen der Welt zu produzieren. Nicht um damit horrende Gewinne für wenige Aktionäre zu erzielen, sondern um den Zugang zu lebensrettenden Medikamenten als öffentliches Gut beispielhaft zu etablieren. Medico hat Verbindungen zwischen den bengalischen Kollegen und brasilianischen Experten hergestellt. Die Fachleute aus Lateinamerika haben darin Erfahrung, wie man mit lokaler Produktion dazu beiträgt, dass die Preise für lebensrettende Medikamente gesenkt werden. Die Produktion von AIDS-Präparaten in Brasilien, die sie durchgesetzt haben, war ein entscheiden der Faktor dafür, dass andere Hersteller die Preise um das 100fache senken mussten. Erste Begegnungen haben stattgefunden, gerade prüfen wir die konkreten Möglichkeiten eines Technologietransfers.

Nach der ersten Mission mit der brasilianischen Pharmazeutin Eloan Pinheiro wurden aber auch bauliche Mängel und fehlende Infrastruktur festgestellt. Zur Verbesserung dieser unzureichenden Produktionsbedingungen hatte GK bereits Pläne ausgearbeitet. Um international akzeptierte Qualitätsstandards zu erreichen, bezuschusst medico den Bau eines Lagers für Chemikalien und Rohmaterialen, die im Herstellungsprozess der Medikamente benötigt werden. Der Bau der separaten Halle in der Größenordnung von 980 Fässern kostet ca. 50 000 Euro von denen medico die Hälfte der Kosten trägt.
 

Für die visionäre Idee einer Produktion von lebenswichtigen Medikamenten als öffentliches Gut bitten wir um Ihre Unterstützung. Das Gesundheitsprojekt und die Produktion von lebenswichtigen Medikamenten bei Gonoshasthaya Kendra in Bangladesh können sie fördern mit dem Stichwort: Bangladesh.

Ausführlich

 

Kein Patent auf Gesundheit!

Für eine radikale Wende in der globalen Medikamentenpolitik: Kampagne für Innovation und Zugang zu unentbehrlichen Arzneimitteln ... weiter
 

 
medico-Rundschreiben

Überall Frauen

Vor 35 Jahren war Mathis Bromberger als Mediziner in Bangladesh. Nun besucht er die Gesundheitsorganisation Gonoshasthaya Kendra. (2/2007)
 

Globalisierung von unten

Mit der brasilianischen Chemikerin und Expertin für die Herstellung von AIDS-Medikamenten, Eloan Pinheiro, in Bangladesh bei der alternativen Pharmaproduktion von Gonoshasthaya Kendra (04/2006)
 

Alternative Wege der Medikamenten­versorgung

Wie ein genossenschaftlich organisiertes Gesundheits-Unternehmen preiswerte Arzneimittel produziert und nebenbei mit den Mythen der Pharma-Multis aufräumt. (03/2006)

 
Gonoshasthaya Kendra, Abk.: GK (bengalisch, zu deutsch: Volksgesundheitszentrum)
  • Gegründet 1971
  • Projektkoordinator und Gründer:
    Dr. Zafrullah Chowdhury. Träger des alternativen Nobelpreises, verliehen 1992.
  • Mitarbeiter: 2.500
  • Patienten: 1 Million

 

Weitere Informationen

Pillen ohne Patent
Interview mit Zafrullah Chowdhury in Die Zeit, 29.03.2007 [externer Link]

Kurz vor dem Tod zum ersten Mal zum Arzt
Interview der Frankfurter Rundschau, 23.07.2007 [externer Link]

 

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