Zugang zur Gesundheitsversorgung in der palästinensischen Westbank drastisch
eingeschränkt
Bericht zu Auswirkungen der Mauer in Ramallah vorgestellt
Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Ramallah (Westbank) stellten das
palästinensische gesundheitspolitische Institut HDIP (Health, Development,
Information and Policy Institute) und die deutsche sozialmedizinische
Hilfsorganisation medico international heute Vormittag eine Untersuchung zu den
Auswirkungen der Mauer und Sperranlagen auf die Gesundheitssituation in der
Westbank vor. 425.000 Menschen, 20 Prozent der Gesamtbevölkerung in der
Westbank, so die Autorin der Studie Joan Jubran, müssen eine zum Teil extrem
eingeschränkte Gesundheitsversorgung in Kauf nehmen. Die Mauer, so Mustafa
Barghouti, Direktor des Instituts, führe zu einer Zersplitterung des gesamten
Gesundheitswesens.
Die von Israel errichteten Sperranlagen reichen zum Teil bis zu 22 Kilometer
in palästinensisches Territorium. Der Verlauf trennt Ostjerusalem von dem Rest
der Westbank und schafft außerdem 26 Enklaven, die nur durch von Israel
kontrollierte Tore zu erreichen sind.
Das hat Auswirkungen auf alle Bereiche der Gesundheitsversorgung. So ist
aufgrund der eingeschränkten Bewegungsfreiheit die Schwangerschaftsvor- und
Nachsorge für viele Frauen nicht erreichbar. Besonders betroffen sind Patienten
mit chronischen Krankheiten oder gravierenden Gesundheitsproblemen. Wichtige
Fachkliniken befinden sich in Ost-Jerusalem, dem medizinischen Zentrum der
Palästinensischen Gebiete. Behandlungen für die teils schwerkranken Patienten
sind - wenn überhaupt - nur nach langen Wartezeiten möglich.
Zentrales Problem der Gesundheitsgrundsicherung bleibt die eingeschränkte
Mobilität für das Gesundheitspersonal, Ambulanzen, Patienten, für die Lieferung
von Medikamenten und Laboruntersuchungen.
Davon betroffen sind auch mobile Kliniken, die versuchen, die
Gesundheitsversorgung in den Enklaven abzusichern, darunter auch diejenigen des
medico Projektpartners Palestinian Medical Relief Society.
„Dass weder Patienten noch das medizinische Personal über berechenbare Wege
verfügen, um die Gesundheitsversorgung sicherzustellen, ist das akuteste
humanitäre Problem, das die Studie aufzeigt“, so die medico-Pressesprecherin
Katja Maurer in Ramallah. Diese systematische Behinderung von Patienten und
medizinischem Personal könne nicht mit den Sicherheitsbedürfnissen von Israel
begründet werden, so die medico-Vertreterin. Hier müssten umgehend Änderungen
erfolgen. Außerdem zeige die Studie deutlich, dass eine kohärente
Gesundheitspolitik unter den Bedingungen dieses Mauerverlaufs nicht möglich sei.
Hier sei die internationale Gemeinschaft gefordert Druck auf Israel auszuüben,
Bedingungen zu schaffen, die es der palästinensischen Autonomiebehörde überhaupt
erst ermöglichen, ein wirkungsvolles Gesundheitssystem in der Westbank zu
errichten. Dafür werde sich ihre Organisation auch mit der weiteren Verbreitung
der Studie einsetzen.
Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:
Dr. Andreas Wulf, 069 94438-35 oder 0162 415 95 88
Katja Maurer (in Ramallah) 0171 122 12 61
|