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Kein Patent auf Gesundheit


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Zur Lage

Zahlen/Daten/Fakten

  • Jeden Tag sterben über 35.000 Menschen an ansteckenden Krankheiten wie AIDS, Malaria, Tuberkulose und den am meisten vernachlässigten Krankheiten wie Leishmaniose, Chagas-Krankheit und Schlafkrankheit.
  • Von diesen Krankheiten sind Hunderte Millionen von Menschen betroffen, und dennoch haben wir keine sicheren, bezahlbaren, wirksamen und vor Ort auch unter schwierigen Bedingungen einsetzbaren Impfstoffe, Diagnosemethoden und Medikamente zur Bekämpfung dieser Krankheiten.
  • Zwischen 1986 und 2001 stiegen die Finanzmittel für medizinische Forschung weltweit von 30 Milliarden US-Dollar auf 106 Milliarden US-Dollar an. Nur ein Bruchteil dieser Gelder schlägt sich jedoch in medizinischem Fortschritt für die Armen nieder.
  • Nur 1% der 1.393 zwischen 1975 und 1999 zugelassen neuen Medikamente, wurde gegen Tropenkrankheiten und Tuberkulose entwickelt.
  • Die Grundlagenforschung zu ansteckenden Krankheiten gibt es, und auch die Biomedizin entwickelt sich schnell. Ohne entsprechende politische Entscheidungen kann dieser Fortschritt jedoch nicht für die Entwicklung notwendiger Produkte eingesetzt werden.
  • Das von Profit getriebene Modell der Medikamentenentwicklung eignet sich nicht für die Entwicklung notwendiger medizinischer Mittel gegen vernachlässigte Krankheiten.
  • Die derzeitigen regulatorischen Praktiken sind schlecht angepasst auf die Bewertung therapeutischer Fortschritte neuer Medikamente, Impfstoffe und Diagnosemethoden gegen vernachlässigte Krankheiten.
  • Der Schutz des geistigen Eigentums wurde zwar verstärkt, das hat sich aber nicht in verstärkter Forschung und Entwicklung von Medikamenten für die globalen Gesundheitsanforderungen niedergeschlagen.

Das Ziel

In den letzten Jahren ist die globale Gesundheitsherausforderung zunehmend in das öffentliche Bewusstsein getreten und hat auch zu einem gewissen Grad an Engagement in der internationalen Gemeinschaft geführt. Einige Entwicklungsländer haben ihre Kapazitäten für neue Gesundheitstechnologien ausgebaut und ihre Rolle gewinnt zunehmend an Gewicht. Gemeinnützige Einrichtungen wurden gegründet, um auch die Innovation gegen so genannte "Armutskrankheiten" voranzutreiben. Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe an Projekten, die auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Patienten in den armen Ländern eingehen. Solche Partnerschaften zur Produktentwicklung fungieren als "virtuelle" Labore, in denen mit öffentlichen Forschungsinstituten, Universitäten, pharmazeutischen und biotechnologischen Firmen zusammen gearbeitet wird. Die Mehrheit dieser Einrichtungen wird jedoch von Wohltätigkeitsorganisationen oder einzelnen Spendern finanziert. Es wird aber bei weitem noch nicht genug getan, und gerade die Regierungen reicherer Länder beteiligen sich nur unzureichend.

Es scheint daher dringend geboten, das fatale Ungleichgewicht im derzeitigen Modell zur Medikamentenentwicklung grundlegend zu korrigieren.

Die Regierungen müssen die Verantwortung für die weltweite öffentliche Gesundheit übernehmen, deshalb müssen

  • globale Gesundheit und Medizin zu einem strategischen Sektor gemacht werden. Die Prioritäten in Forschung und Entwicklung müssen sich an den Bedürfnissen der Patienten ausrichten. Nur dann kann die Welt die Millenium-Entwicklungsziele erreichen.
  • reiche und arme Regierungen sowie internationale Organisationen müssen nachhaltig Geld bereit stellen, damit das notwendige Niveau an medizinischer Forschung gegen die Krankheiten der Armen erreicht wird. Um langfristig den Erfolg sicherzustellen, müssen neue Finanzierungsmechanismen entworfen werden.
  • der Zugang zu wissenschaftlichem Fortschritt bedarf eines deutlichen Umdenkens in der Art und Weise, wie notwendige Gesundheitsprodukte bewertet, finanziert und verfügbar gemacht werden.

Eine konsequente öffentliche Forschungsförderung müsste die Herstellung lebensrettender Medikamente als öffentliches Gut verfolgen.


Der Weg

Eine neue Forschungspolitik muss

  • einen freien Austausch unter WissenschaftlerInnen fördern,
  • den Zugang der Öffentlichkeit zu den Forschungsergebnissen sichern.
  • weltweit das Recht auf Gesundheit von Menschen berücksichtigen, die in Armut leben.

Wichtige Bausteine für so eine bedarfsorientierte Forschung sind

  • die Entwicklung von Arzneimitteln als öffentliches Gut.
  • ein massiver Ausbau der Forschungsförderung für die sogenannten vernachlässigten Krankheiten.
  • der systematische Ausbau von unabhängigen klinischen Studien in öffentlicher Finanzierung, besonders für die Bereiche chronische Krankheiten und Phytomedizin sowie die Versorgungsforschung.
  • die unabhängige Aus- und Weiterbildung von Gesundheitspersonal im Sinne von evidenzbasierter Medizin und rationalem Arzneimittelgebrauch.
  • Ausbau des Forschungstransfers in Länder der Dritten Welt.

Das Konzept

Die technischen und finanziellen Voraussetzungen für die Forschung, Entwicklung und Herstellung lebensrettender Medikamente in ausreichender Menge sind weltweit vorhanden. Ein wesentlicher Grund dafür, das Menschen immer weniger Zugang zu lebensrettenden Medikamenten haben liegt aber darin, dass die internationalen Handelsabkommen und das Menschenrecht auf Gesundheit faktisch nicht miteinander vereinbar sind.

Nur ein Umdenken, das die Forschung und Entwicklung von Medikamenten aus der Marktlogik befreit, scheint Garant für die Teilhabe aller Menschen an den Ergebnissen des technologischen Fortschritts. Das ist in zahlreichen internationalen Verträgen festgeschrieben und wird von den allermeisten Staaten akzeptiert. Als Grundrecht stellt Gesundheit ein öffentliches Gut dar, das vom Staat und seinen Institutionen aktiv zu schützen ist. Dies nicht tun, hieße eine kranke Gesellschaft akzeptieren.

Forschungsprioritäten für neue Medikamente müssen sich an den Bedürfnissen der Menschen orientieren. Wie gut das funktionieren kann, wissen wir spätestens seit dem Ausbruch des SARS-Virus vor einigen Jahren. In beeindruckender ungehinderter Kooperation gelang es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus aller Welt, innerhalb kürzester Zeit ein probates Mittel gegen das Virus zu finden.
Wir sollten über neue Prioritäten und neue Rahmenbedingungen bei der Forschung, Entwicklung und Herstellung von Medikamenten nachdenken. Nicht nur angesichts globaler Bedrohungen der öffentlichen Gesundheit bei uns, beispielsweise durch die Vogelgrippe.


Die Partner

Mehr als 2000 Wissenschaftler, darunter viele Nobelpreisträger, Einzelpersonen aus Politik, Wirtschaft und Kultur und viele Nichtregierungsorganisationen unterstützen die Kenia/Brasilien Resolution.

Zum Beispiel

  • BUKO Pharma-Kampagne
    setzt sich kritisch mit den Schattenseiten des Arzneimittelmarktes in Süd und Nord auseinander.
  • Für eine andere Forschung und Entwicklung von Medikamenten
    280 Wissenschaftler aus 50 Ländern, darunter mehrere Nobelpreisträger, haben sich in einem Brief an die Weltgesundheitsorganisation gewandt, die Forschung und Entwicklung neuer Medikamente so zu organisieren, dass die sogenannten Armutskrankheiten entsprechend ihrer Bedeutung für die globale Gesundheitsvorsorge berücksichtigt werden (aus medico-Rundschreiben 1/2006)
  • Mehr Innovation gegen vernachlässigte Krankheiten!
    Aufruf der DNDi - Drugs for Neglected Diseases Initiative, der "Initiative für Medikamente gegen vernachlässigte Krankheiten (PDF-Datei, 24 kb)
 

Beipackzettel

 
Unterschriftenaktion "Kein Patent auf Gesundheit" beendet

Am Welt-Aids-Tag wurden 10787 Unterschriften gegen das Patent auf ein AIDS-Medikament an Boehringer übergeben. Die erfolgreiche Kampagne sichert die Generika-Produktion von Nevirapine-Sirup ... weiter


Für Innovation und Zugang zu unentbehrlichen Arzneimitteln!

Internationale Hilfs- und Nichtregierungsorganisationen kritisieren in einer gemeinsamen Erklärung Pharmapatente.


Glossar

Von Antiretroviralen Medikamenten bis Zwangspatenten. Ein kritisches Glossar zur globalen Patentdebatte.


Gesundheit ist keine Ware

Die Monopolisierung von Gesundheitswissen verweigert Millionen Menschen den Zugang zu lebensrettenden Medikamenten. Lesen Sie Argumente gegen das globale Patentregime in unserer neuen Infozeitung.


Alternative Ideen starten durch ...

Das Faltblatt inkl. ausführlichem Beipackzettel informiert kostenlos und rezeptfrei über die Möglichkeiten einer alternativen Medikamentenproduktion am Beispiel des medico-Partners Gonoshastaya Kendra in Bangladesh ... weiter


Arzneimittel­forschung

Plädoyer für eine Wissenschaft im öffentlichen Interesse

Arzneimittel sollen ein Segen für die Menschheit sein. Doch wird Arzneimittelforschung ihren eigenen Ansprüchen gerecht? AIDS-Medikamente sind nach wie vor für die meisten Menschen unbezahlbar. Für viele Krankheiten armer Länder werden Medikamente gar nicht erst entwickelt. Nicht nach medizinischer Dringlichkeit geht es, sondern nach erwarteten Gewinnaussichten. Es ist höchste Zeit, dieses ineffiziente System einer kritischen Prüfung zu unterziehen.
Die Welt braucht eine Wissenschaft, die allen Menschen dient.

Projekte

 

Bangladesh: Die Pillendreher von Dhaka

Alternative Wege der Medikamentenversorgung. Wie ein genossenschaftlich organisiertes Gesundheits-Unternehmen preiswerte Arzneimittel produziert und nebenbei mit den Mythen der Pharma-Multis aufräumt ... weiter


 

 

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