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Kampagne Fatal Transactions
Auf dem Weg zum Frieden?11 Jahre Krieg in Sierra Leone
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Am 27. April 1961 erreichte Sierra Leone seine Unabhängigkeit von
Großbritannien. Nach anfänglichen Militärputschen etablierte sich in Sierra
Leone bis 1992 eine auf Korruption basierende Einparteienregierung. Hohe
Arbeitslosigkeit, Analphabetismus und eine zunehmende Militarisierung
begünstigten den Ausbruch des Bürgerkrieges im Jahr 1991.
Auslöser des Krieges war jedoch das Eingreifen Sierra Leones im Nachbar- und
Bürgerkriegsland Liberia zugunsten der dortigen Regierung. Als der
Rebellenführer Charles Taylor in Liberia die Macht ergriff, fiel eine Gruppe
seiner Verbündeten, die Revolutionary United Front (RUF), unter anderem aus
Interesse an den sierra leonischen Diamantenvorkommen im März 1991 in Sierra
Leone ein.
Die RUF propagierte anfänglich eine gerechte Verteilung des sierra leonischen Reichtums und weckte Hoffnungen auf eine bessere Zukunft. Nach kurzer Zeit verbreitete sie jedoch stattdessen Angst und Schrecken: die Verstümmelungen waren nur ein Teil ihrer grausamen Kriegsführung gegen die Zivilbevölkerung. Liberias Regierungschef Taylor importierte Waffen nach Sierra Leone, die größtenteils aus Europa stammten und tauschte sie mit der RUF gegen Diamanten. Ein Krieg um die Kontrolle der Rohstoffe hatte sich entfacht, an dem neben den Rebellenführern auch die sierra leonische Regierung und Konzerne wie der britisch-südafrikanische Diamantenmonopolist De Beers profitierten.
Nach Schätzungen der UN verdiente die RUF von 1999 bis 2001 zwischen 25 und 125 Millionen US $ jährlich am Handel mit Diamanten, die größtenteils auf europäischen Märkten verkauft wurden.
Die aktive Teilnahme am Krieg wurde für viele Menschen zur einzigen Verdienstquelle: Landwirtschaft war aufgrund massenhafter Vertreibungen nicht mehr möglich und die wenigen Wirtschaftsstandorte wurden im Krieg zerstört. Hinzu kam, dass zahlreiche Jugendliche keinen Platz in der kriegszerrütteten Gesellschaft fanden, und ihr Auskommen als Bürgerkriegssoldat suchten. Plünderungen wurden zur Versorgungsquelle. 1996 gelang es zwar dem Zivilisten Ahmed Tejan Kabbah durch Wahlen an die Regierung zu kommen, er wurde jedoch bald mithilfe der RUF gestürzt. Seit 1999 scheiterten mehrere Versuche, Frieden zu stiften. Im Mai 2000 wurden von der RUF mehr als 500 Blauhelmsoldaten entführt. Daraufhin entschied sich der UN-Sicherheitsrat für einen massiven Einsatz in Sierra Leone. Es wurden bis zu 20.000 UN-Soldaten nach Sierra Leone geschickt. Im Jahr 2001 wurden unter Druck der UNO Friedensverhandlungen geführt, die mit der Einstellung der Kämpfe und einem Friedensvertrag endeten.
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vlnr: Armenviertel im Zentrum Freetowns; Ländliches Sierra Leone; Armenviertel in Freetown. Fotos: medico |
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Seit 2002 ist der Krieg beendet. Im gleichen Jahr wurde der von der RUF 1997 gestürzte Präsident Kabbah mit 70 % der Stimmen erneut gewählt. Überfälle und willkürliche Gewalt haben seither abgenommen. Allerdings verbessert sich die sonstige Lebenssituation nur sehr langsam. Sierra Leone lag 2004 im Entwicklungsindex der UN auf dem letzten Platz. Von 1000 geborenen Kindern sterben 300 bevor sie das fünfte Lebensjahr erreichen. 70 % der Bevölkerung sind Analphabeten. Die Arbeitsbedingungen der ca. 4000 Arbeiter und Arbeiterinnen in den Diamantenminen – darunter mehrere hundert Kinder – sind sklavenähnlich. Wie schon zu Kolonialzeiten verlässt der Großteil des erwirtschafteten Reichtums das Land gen Europa.
Leben im und nach dem KriegPortrait: Bondu Manyeh, Therapeutin und Sozialarbeiterin |
Schon während des Krieges begannen Organisationen wie das Network Movement for Justice and Development (NMJD) die katastrophalen Arbeitsbedingungen in den sierra leonischen Diamantenminen publik zu machen. Die länderübergreifende Zusammenarbeit mit Kampagnen wie Fatal Transactions machte die sog. Konfliktdiamanten international zum Thema und trug dazu bei, die Diamantenindustrie unter Druck zu setzen und die sozialen wie ökologischen Folgen der Diamantenproduktion zu skandalisieren. NMJD treibt seit Kriegsende die Gründung von Gewerkschaften im Minensektor voran und verhandelt mit der Regierung über eine Reform der Besitzverhältnisse der Minen. Die Unterstützung solcher Initiativen ist ein wichtiger Beitrag zur Demokratisierung des Landes.
Ohne eine nachhaltige Veränderung der Eigentums- und Einkommensverhältnisse gibt es wenig Perspektiven für die Demokratisierung des Landes und einen dauerhaften Frieden.
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