Kampf um das Minimum
Gewerkschaftsarbeit im Kongo – Interview mit
Jean Pierre Muteba
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Foto: Kirsten Hund, 2005
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Die Gewerkschaft La Nouvelle Dynamique Syndicale (NDS) aus der
Demokratischen Republik Kongo setzt sich für die Rechte der Minenarbeiter
ein. medico international führte via E-Mail ein Interview mit einem
führenden Gewerkschafter von NDS, Jean Pierre Muteba.Was sind die
Ziele Ihrer Gewerkschaft und wen repräsentieren Sie, Herr Muteba?
Wir unterstützen die Arbeiter und ihre Familien darin, ihre ökonomischen und
sozialen Rechte zu kennen und zu verteidigen. Für uns sind die wichtigsten
Themen ein regelmäßiger und gerechter Lohn, der Schutz der Umwelt und die
soziale Verantwortung der Unternehmen, die in der Demokratischen Republik
Kongo die Ressourcen plündern. Unsere Gewerkschaft ist in verschiedenen
Minen und Unternehmen präsent. Insgesamt vertreten wir fast 3400 Mitglieder,
die vor allem Kupfer, Kobalt und Germanium abbauen.
Wie sind die Arbeitsbedingungen in den Minen?
Die Arbeitsbedingungen in den Minen sind schlicht inhuman. Die Arbeiter
müssen mehrere Monate ohne Lohn auskommen oder werden unter Missachtung von
Abkommen einfach entlassen. Sie haben bei weitem keine ausreichende
Schutzkleidung o.ä. – auch dann nicht, wenn sie zum Beispiel mit
uranverseuchten Produkten arbeiten. Welche Firmen sind im Besitz der
Minen?
Der kongolesische Staat hat die Minen und Fabriken an private Unternehmen
abgetreten. Zu diesen gehören auch Firmen europäischer oder asiatischer
Länder sowie der USA. Diese Unternehmen haben Verträge unterschrieben, die
maßgeblich auf Korruption basieren. Das Unternehmen KMC (Kababankola Mining
Company) unterzeichnete beispielsweise während des Krieges einen Vertrag mit
der Regierung. Dieser sicherte KMC mehrere Minen und die dazugehörigen
Fabriken für einen Dollar pro Jahr an Pacht zu. Wir haben gehört, dass
sich Ihre Gewerkschaft NDS besonders für die Arbeiter bei KMC eingesetzt
hat.
Als KMC acht Monate lang den Lohn verweigerte, streikten die Arbeiter zwei
Wochen lang. Die Arbeitgeber akzeptierten daraufhin Verhandlungen und zahlen
seitdem regelmäßig den Lohn. Allerdings sind die Rentenzahlungen noch immer
nicht vom Unternehmen getätigt.
Was sind die politischen Bedingungen von Gewerkschaften in der
Demokratischen Republik Kongo?
Unsere Mitglieder werden regelmäßig verhaftet oder aus ihren Jobs entlassen.
Wir haben viele Probleme mit dem Geheimdienst und der Polizei. Zudem gibt es
leider mehrere Gewerkschafter, die auf Grund der allgemeinen Misere sehr
leicht korrumpieren und eigentlich nicht mehr die Interessen der Arbeiter
vertreten. Was hat Sie persönlich bewogen, sich in der
Gewerkschaftsarbeit zu engagieren?
Ich bin studierter Industriepsychologe. Zum Ende meines Studiums wurde ich
bei einer Abbaufirma als Ausbilder für Führungskräfte eingestellt. Im Jahr
1999 wurde ich Opfer einer Entlassungswelle ohne jegliche Entschädigung.
Daraufhin organisierte ich die 4000 betroffenen Arbeiter um ihre
Wiedereinstellung zu fordern. Dies erreichten wir auch. Mit dieser Gruppe
gründeten wir eine neue Gewerkschaft, da wir mit den Existierenden nicht gut
zusammenarbeiten konnten.
Was braucht es ihrer Meinung nach für eine bessere Zukunft in ihrem
Land?
Unserer Meinung nach bedarf es einer starken Gewerkschaftsbewegung, die
wahrnehmbaren Druck auf die Regierung und die Unternehmen ausüben kann.
Dafür brauchen wir aber die materiellen Mittel und Partner, die uns durch
ein Lobbying aus dem Norden unterstützen können. Übersetzung aus dem
Französischen: Frauke Banse |