Das ist die Archiv-Website von medico international.
Bitte beachten Sie unseren neuen Internetauftritt seit 10.04.2008 unter www.medico.de

    medico international e.V. • Frankfurt/Main english  •  español
Startseite
Projekte & Partner
medico-Kampagnen
Kein Patent auf Gesundheit!
Fatal Transactions
Kampagne gegen Minen
Apartheidschulden-
kampagne
Machen Sie mit!
Aktuelle Termine
medico-Newsletter
Publikationen & Material
Wir über uns
Presse & Medien
Spenden & Fördern
medico-Stiftung
Service & Kontakt
Archiv / Sitemap
 

Suche

 
 
english  •  español

Kampagne Fatal Transactions


Kampf um das Minimum

Gewerkschaftsarbeit im Kongo – Interview mit Jean Pierre Muteba
 


Foto: Kirsten Hund, 2005

Die Gewerkschaft La Nouvelle Dynamique Syndicale (NDS) aus der Demokratischen Republik Kongo setzt sich für die Rechte der Minenarbeiter ein. medico international führte via E-Mail ein Interview mit einem führenden Gewerkschafter von NDS, Jean Pierre Muteba.

Was sind die Ziele Ihrer Gewerkschaft und wen repräsentieren Sie, Herr Muteba?
Wir unterstützen die Arbeiter und ihre Familien darin, ihre ökonomischen und sozialen Rechte zu kennen und zu verteidigen. Für uns sind die wichtigsten Themen ein regelmäßiger und gerechter Lohn, der Schutz der Umwelt und die soziale Verantwortung der Unternehmen, die in der Demokratischen Republik Kongo die Ressourcen plündern. Unsere Gewerkschaft ist in verschiedenen Minen und Unternehmen präsent. Insgesamt vertreten wir fast 3400 Mitglieder, die vor allem Kupfer, Kobalt und Germanium abbauen.

Wie sind die Arbeitsbedingungen in den Minen?
Die Arbeitsbedingungen in den Minen sind schlicht inhuman. Die Arbeiter müssen mehrere Monate ohne Lohn auskommen oder werden unter Missachtung von Abkommen einfach entlassen. Sie haben bei weitem keine ausreichende Schutzkleidung o.ä. – auch dann nicht, wenn sie zum Beispiel mit uranverseuchten Produkten arbeiten.

Welche Firmen sind im Besitz der Minen?
Der kongolesische Staat hat die Minen und Fabriken an private Unternehmen abgetreten. Zu diesen gehören auch Firmen europäischer oder asiatischer Länder sowie der USA. Diese Unternehmen haben Verträge unterschrieben, die maßgeblich auf Korruption basieren. Das Unternehmen KMC (Kababankola Mining Company) unterzeichnete beispielsweise während des Krieges einen Vertrag mit der Regierung. Dieser sicherte KMC mehrere Minen und die dazugehörigen Fabriken für einen Dollar pro Jahr an Pacht zu.

Wir haben gehört, dass sich Ihre Gewerkschaft NDS besonders für die Arbeiter bei KMC eingesetzt hat.
Als KMC acht Monate lang den Lohn verweigerte, streikten die Arbeiter zwei Wochen lang. Die Arbeitgeber akzeptierten daraufhin Verhandlungen und zahlen seitdem regelmäßig den Lohn. Allerdings sind die Rentenzahlungen noch immer nicht vom Unternehmen getätigt.

Was sind die politischen Bedingungen von Gewerkschaften in der Demokratischen Republik Kongo?
Unsere Mitglieder werden regelmäßig verhaftet oder aus ihren Jobs entlassen. Wir haben viele Probleme mit dem Geheimdienst und der Polizei. Zudem gibt es leider mehrere Gewerkschafter, die auf Grund der allgemeinen Misere sehr leicht korrumpieren und eigentlich nicht mehr die Interessen der Arbeiter vertreten.

Was hat Sie persönlich bewogen, sich in der Gewerkschaftsarbeit zu engagieren?
Ich bin studierter Industriepsychologe. Zum Ende meines Studiums wurde ich bei einer Abbaufirma als Ausbilder für Führungskräfte eingestellt. Im Jahr 1999 wurde ich Opfer einer Entlassungswelle ohne jegliche Entschädigung. Daraufhin organisierte ich die 4000 betroffenen Arbeiter um ihre Wiedereinstellung zu fordern. Dies erreichten wir auch. Mit dieser Gruppe gründeten wir eine neue Gewerkschaft, da wir mit den Existierenden nicht gut zusammenarbeiten konnten.

Was braucht es ihrer Meinung nach für eine bessere Zukunft in ihrem Land?
Unserer Meinung nach bedarf es einer starken Gewerkschaftsbewegung, die wahrnehmbaren Druck auf die Regierung und die Unternehmen ausüben kann. Dafür brauchen wir aber die materiellen Mittel und Partner, die uns durch ein Lobbying aus dem Norden unterstützen können.

Übersetzung aus dem Französischen: Frauke Banse

Hauptseite Fatal TransactionsÜber die KampagneInfo- und Aktionsmaterial

 

 Seitenanfang       copyright © 2007 medico international e.V. • Impressum  Drucken