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Gesundheit für alle – Hintergrund
Das Primary Health Care Konzept
Basisforderungen
1. Primärprävention durch die Verbesserung sozio-ökonomischer
Bedingungen:
Beseitigung von Armut und Unterentwicklung, gerechte Verteilung/ gerechter
Zugang zu den Resourcen, Verbesserung bzw. Sicherung von Ernährung, Wasser,
sanitäre Einrichtungen, Wohnung, Bildung, Einkommen und schließlich
Bewußtmachung der jeweils vorherrschenden Gesundheitsprobleme und ihrer
Verhütung (z.B. Arbeitsschutzbestimmungen, Verhaltensmaßnahmen, Impfungen,
Vektorkontrolle, Mutter-Kind-Programme)
2. Beteiligung der Bevölkerung (Partizipation):
sowohl was die Formulierung der Gesundheitsprobleme angeht als auch der
Lösungsfindungen. Entmonopolisierung des medizinischen Wissens. Nutzung der
vorhandenen Resourcen (personeller, sozialer und technischer Art (z.b.
angepaßte Technologie, Integration vorhandener Heilkunde und Traditionen).
3. Umstrukturierung des Gesundheitswesens von der Spitze zur Basis:
Die dringendsten Gesundheitsprobleme der Mehrheit der Bevölkerung erhalten
die höchste Priorität und die meisten Ressourcen: statt viel Geld in wenige
Hochtechnologie-Krankenhäuser zu investieren, die vor allem den kleinen
städtischen Eliten zu gute kommen, Versorgung der Masse der Bevölkerung
durch viele Gesundheitsarbeiter / Gesundheitsposten vor Ort, die die
wichtigsten, häufigsten Krankheiten und Probleme erkennen und behandeln
können. Auf dieser Ebene besonders wichtig die Integration von
Gesundheitsförderung, -beratung, Präventionsprogrammen (z.B. Impfungen) und
kurativer Medizin (Erste Hilfe, Bekämpfung endemischer Krankheiten) Dazu
tritt als Ergänzung die zweite Ebene (z.B. Distrikskrankenhäuser) für
seltenere und schwierigere Erkrankungen, die mehr Erfahrung, größere
Resourcen erfordern (stationäre Behandlung, Operationen) und als Spitze der
Pyramide die großen Zentralkrankenhäuser mit dem „neusten Stand der
Technik“. Förderung eines „Rationalen Einsatzes von Arzneimittel“, der die
sichere Versorgung aller Menschen mit den wichtigsten Medikamenten
einschließt.
Die 7 Prinzipien des Primary Health Care
Konzepts
- Die Primäre Gesundheitspflege sollte an den Lebensgewohnheiten und
Lebensstilen der Bevölkerung, der sie dient, orientiert sein und sich an
den Bedürfnissen des Gemeinwesens ausrichten.
- die Primäre Gesundheitspflege soll integraler Bestandteil des
nationalen Gesundheitssystems sein. Die erweiterte Untergliederung der
Dienste sollen den Notwendigkeiten entsp3rechen, die sich an der Basis
ergeben; dies betrifft insbesondere die Verfügbarkeit technischer
Möglichkeiten sowie die Aufgaben der Supervision und Beratung.
- Die Aktivitäten der Primären Gesundheitspflege sollten voll integriert
sein in die anderen Sektoren, die mit der Entwicklung des Gemeinwesens
befasst sind (Landwirtschaft, Erziehung und Ausbildung, öffentliche
dienst, wohnungs- und Kommunikationsfragen).
- die Bevölkerung am Ort sollte sowohl an der Formulierung der Aufgaben
als auch an den Bemühungen um die Problemlösung im Gesundheitsbereich
aktiv beteiligt werden, so dass Gesundheitsversorgung den jeweiligen
örtlichen Bedürfnissen und Prioritäten gerecht werden kann.
Entscheidungen, darüber, welches die Bedürfnisse des Gemeinwesens sind,
die einer Lösung bedürfen, sollten sich auf den beständigen Dialog
zwischen der Bevölkerung und den Mitarbeitern der Gesundheitsdienste
gründen.
- Die angebotenen Gesundheitsdienste sollten größtmöglichen gebrauch
machen von den im Jeweiligen Gemeinwesen vorhandenen Ressourcen. Dabei
sollten besonders die Möglichkeiten berücksichtigt werden, die bisher
nicht in Anspruch genommen wurden ,die angebotenen Gesundheitsdienste
sollten ferner die zwingenden Grenzen für die Kosten achten, die es
jeweils im Lande gibt.
- Primäre Gesundheitspflege sollte sich um einen Ansatz bemühen, in dem
präventive und kurative Maßnahmen ebenso wie der Rehabilitation und der
Gesundheitsförderung dienende Programme gleichzeitig und in gleichem
Umfang aus- und aufgebaut werden, und zwar zugleich im Blick auf das
Individuum, Familie und Gemeinwesen. Das Verhältnis, in dem diese
einzelnen dienste zueinander stehen, sollte sich je nach den Bedürfnissen
des Gemeinwesens einpendeln, dabei mag es im Laufe der Zeit durchaus
Veränderungen geben.
- Der größte Teil der die Gesundheitsfördernden Interventionen solle auf
der die Basis nächstmöglichen Ebene stattfinden, und von den Mitarbeitern
ausgeführt werden, die für die jeweils erforderlichen Maßnahmen am besten
ausgebildet sind
Die 8 Elemente von Primary Health Care
Intersektoraler Bereich (Grundbedürfnisse), primäre Prävention
1. Erziehung zur Erkennung, Vorbeugung und Bekämpfung der örtlich
vorherrschenden Gesundheitsprobleme
2. Nahrungsmittelversorgung und Sicherung der Ernährung
3. Trinkwasserversorgung und sanitäre Maßnahmen
Präventivmedizin integriert in die Gesundheitsdienste
4. Mutter. Und Kind Gesundheitsversorgung einschließlich Familienplanung
5. Impfungen gegen die vorherrschenden Infektionskrankheiten
6. Verhütung und Bekämpfung der örtlichen endemischen (verbreiteten)
Erkrankungen
Kurative (behandelnde) Medizin auf Dorf- oder Stadtteilebene mit
Referenz- (Überweisungs-) system
7. Behandlung gewöhnlicher Erkrankungen und Verletzungen in angemessener
Form
8. Versorgung mit essentiellen (notwendigen und sinnvollen) Medikamenten
Unterschiede zwischen Primary Health Care (PHC) und Selective Primary
Health Care (SPHC)
1. Definition von Gesundheit
SPHC reduziert Gesundheit auf die Abwesenheit von Krankheit
Die PHC-Definition von Gesundheit beinhaltet das „physische, geistige und
soziale Wohlergehen des Individuums“ in Anlehnung an die WHO-Definition.
2. Verteilungsgerechtigkeit
SPHC trifft eine Auswahl der prioritären Erkrankungen. Der erfolg orientier
sich an Morbiditäts- und Mortalitätsstatistiken und effektiver
Kostenrechnung.
SPHC ist ein Interventionsprogramm. Vernachlässigt wird, dass gerade für die
Ärmsten die Bereitstellung einer gesundheitsrelevanten Intervention nicht
genügt, um den Gesundheitsstatus zu verbessern.
PHC meint die gleichberechtigte Förderung einer umfassenden Gesundheit und
Bereitstellung von Gesundheitsdiensten im Sinne von Wohlergehen für alle
Menschen.
3. Multisektoraler Ansatz
SPHC will die Auswirkungen von Krankheit abmildern.
PHC will die Ursachen bekämpfen. Gesundheit ist nicht nur ein
Krankheitsproblem, sondern auch ein Entwicklungsproblem (Ökonomie, Bildung,
Wasser ect.)
Außerhalb des Gesundheitssektors unternommene Aktivitäten können erheblich
größere Effekte auf Gesundheit haben als die in ihm durchgeführten.
4. Partizipation / Empowerment
SPHC lässt Gesundheitsexperten kostengünstige Programme erarbeiten, die von
medizinischem Fachpersonal durchgeführt werden.
PHC will die Beteiligung der Gemeinde und der direkt Betroffenen. Die
Menschen sollen die Initiative ergreifen und ihre Gesundheitsbelange selbst
formulieren und sich dafür einsetzen.
[WHO: Primary Health Care, A Joint WHO-UNICEF Report, Geneva, New York,
1978]
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